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09/29/2021

Geheimtipp Golser Wagram im Burgenland

Der Golser Wagram: Wo die herbstliche Tradition des Martinilobens ihren Ursprung hat.

Offene Kellertüren, zahlreiche kulinarische Köstlichkeiten, ein ansprechendes Rahmenprogramm und dazu preisgekrönte Weine: das Martiniloben ist für Vinophile einer der beliebtesten Bräuche Österreichs. Seinen Ursprung fand die herbstliche Tradition im 4.000 Einwohner umfassenden Gols im Burgenland. Eine Spurensuche.

Wagram: ein Grenzbereich

Mit 130 Vollerwerbs-Weinbaubetrieben ist die burgenländische Gemeinde Gols, gelegen auf 133 Meter Seehöhe am Ostufer des Neusiedler Sees, die größte Weinbaugemeinde Österreichs. Das und die Tatsache, dass hier das Martiniloben erfunden wurde, ist aber nicht das Einzige, mit dem Gols punkten kann: Folgt man der B51, passiert man hübsche Dörfer, Felder und Wiesen. Kurz nach Weiden am See rückt dann eine weitere Besonderheit ins Blickfeld. Der Wagram, ein sanfter Hügel, der auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine wellenförmige Abbruchkante, die etwa 30 Meter hoch ist. Sie verbindet die Parndorfer Platte oben und das Neusiedler Becken unten. Der Hang entstand, als sich vor etwa 13.000 Jahren das Neusiedler Becken absenkte. Die Kante erhielt den Namen "Wogenrain". Das mittelhochdeutsche Wort bezeichnet eine "Grenze der Wogen" oder einen "Hang beim Wasser". Ebenso wie auch die viel bekanntere Weinbauregion in Niederösterreich von einem speziellen Mikroklima profitiert, ist der Golser Wagram ideal für den Anbau einiger ausgewählter Traubensorten. So wachsen auf der Abbruchkante vor allem die Sorten Blaufränkisch und Merlot gut. Oben auf der Terrasse herrschen ideale Verhältnisse für St. Laurent, während der fruchtbare Schwarzerdeboden Zweigelt gedeihen lässt.

Doch nicht nur Weinreben fühlen sich in diesem Mikroklima pudelwohl. Auch eine gefiederte Besonderheit lässt sich hier beobachten. Von Mai bis August nistet der etwa 28 Zentimeter große Bienenfresser in der Lehm- und Lösswand des Wagrams. Ihn erkennt man sofort an seinem auffallenden, tropisch bunten Gefieder. Sein Kopf ist meist mit rostrotem Gefieder überzogen, während der Kehlbereich gelb und der Körper blau gefärbt ist. Meistens trifft man die Vögel in Kolonien an. Die geselligen Tierchen, die sich von Wespen, Bienen, Hummeln, Hornissen, Libellen und Zikaden ernähren, erkennt man auch an ihren heiseren Rufen.

Weinwandern am Wagram & Martiniloben

Entlang des Wagrams findet sich ein etwa zehn Kilometer langer Wanderweg. Er ist Teil des burgenländischen Jakobswegs und wartet mit zahlreichen Informationstafeln auf. Wer hier entlangspaziert, erfährt Wissenswertes rund um den Weingarten, lernt einiges über Wein und lernt die Flora und Fauna der Gegend besser kennen. Der Weg ist nicht schwierig und punktet zudem mit vielen Aussichtspunkten. Echte Weinliebhaber werden außerdem die Rieden Gabrinza, Salzberg, Goldberg und Altenberg erkennen. Mit etwas Glück reicht die Aussicht an klaren Tagen bis zum Schneeberg und zur Rax.

Wer will, kann die Wanderung mit einem Besuch des Golser Martinilobens verbinden. Der 1989 vom damaligen Obmann des Golser Weinbauvereins geprägte Begriff ist heute längst in ganz Österreich als Bezeichnung für Tage der Offenen Kellertür im Herbst und Spätherbst bekannt. Das Original freilich gibt's nur in Gols. Da öffnen von 5. Bis 7. November 2021 wieder mehr als 80 Winzer und Winzerinnen ihre Kellertüren. In der einzigartigen Umgebung der Keller können die die Golser Weine in ihrer Vielschichtigkeit entdeckt werden. Zusätzlich gibt es ein ansprechendes Rahmenprogramm mit Konzerten und Weinsegnung. Viele Keller verwandeln sich in Galerien. Etliche Künstler und Künstlerinnen werden ihre Werke ausstellen. Ein Shuttlebus, der gratis von und nach Neusiedl/See, Weiden und Podersdorf fährt, steht zur Verfügung. Der Unkostenbeitrag fürs Martiniloben beträgt 60 Euro, enthalten sind drei Einkaufsgutscheine für Wein im Wert von je 15 Euro. Informationen: www.weinort-gols.at

Unbedingt probieren sollte man die "Pannobile" Weine. Dabei handelt es sich um Erzeugnisse von neun Weinkellern, die besonders strengen Qualitätskriterien folgen. Das Prädikat "Pannobile" erhält nur, wer im Rahmen einer Blindverkostung alle neun Mitglieder überzeugt. Die roten Pannobile Weine dürfen nur aus den Sorten Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent gewonnen werden, entweder reinsortig oder als Cuvée. Weiße Pannobile Weine überzeugen mit kräftigem Körper und komplexem Aroma. Für sie sind Weißburgunder und Chardonnay die Leitsorten.

Das kulturelle Zentrum von Gols ist das Weinkulturhaus. Es dient gleichzeitig als Touristeninformation. Im Inneren befinden sich eine Vinothek mit über 400 verschiedenen Weinen und ein Museum. Auch von außen ist das Gebäude sehenswert. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert, Steht unter Denkmalschutz und ist mit Giebeln verziert (www.weinkulturhaus.at). Noch mehr zum Thema Wein gibt's auf Schloss Halbturn (www.schlosshalbturn.com). Hier kann man nicht nur übernachten, sondern auch an Kellerführungen und Verkostungen der exklusiven Weine teilnehmen, die auf Schloss Halbturn hergestellt werden.

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