Robert Ponger in seinem Studio. Der Produzent hat drei Alben von Falco produziert - darunter auch sein Debütalbum "Einzelhaft".

Robert Ponger in seinem Studio. Der Produzent hat drei Alben von Falco produziert - darunter auch sein Debütalbum "Einzelhaft". 

© Kurier/Juerg Christandl

Kultur & Freizeit

Zum 25. Todestag: Exklusives Interview mit Falco-Produzent Robert Ponger

Er produzierte u.a. das Debütalbum "Einzelhaft" von Falco. Zum 25. Todestag von Hans Hölzel kommt der Austropop-Produzent Robert Ponger in einem exklusiven Interview zu Wort.

von Marco Weise

01/30/2023, 01:30 PM

„Über Falco wurde bereits alles gesagt“, sagt Robert Ponger.

Robert wer? Mit diesem Namen können Sie wahrscheinlich nicht viel anfangen. Dabei sind Pongers Arbeiten weltberühmt, werden hierzulande mehrmals täglich im Radio gespielt und machen ein Großteil der Austropop-Produktionen der 1980er- und 1990er-Jahre aus: Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Wilfried, Gert Steinbäcker von STS, Georg Danzer und natürlich Falco – mit all diesen Künstlern hat er zusammengearbeitet. Dass niemand vor Aufregung hyperventiliert, wenn er sich als Robert Ponger vorstellt, oder sich eine Menschentraube bildet, wenn er im Kaffeehaus sitzt, war dem sehr gut gealterten 72-Jährigen auch nie ein großes Anliegen. Denn der in Wien geborene Musiker und Produzent meidet das Bad im Showlicht, lebt und arbeitet seit vielen Jahren zurückgezogen in Niederösterreich.

Als Falcos Produzent der ersten Stunde hat sich Ponger seit Jahrzehnten von jeglichem Kommentar zu Falcos Leben konsequent ferngehalten: „Was letztlich zählt, ist einzig und allein das gemeinsame musikalische Werk“, betont Ponger gleich zu Beginn des Gesprächs. Nachsatz: „Es blieb und bleibt deshalb anderen überlassen, Geschichten und Gerüchte zu Falcos Leben und Karriere zu verbreiten.“

Ponger komponierte und produzierte drei Alben für Falco – darunter auch die ersten beiden LPs „Einzelhaft“ (1982) und „Junge Römer“ (1984), die auch 40 Jahre danach immer noch lässig, cool und modern klingen: Es sind zwei Meilensteine der österreichischen Popmusik. „Auf künstlerischer Ebene hatten Falco und ich von Anfang an eine kongeniale Verbindung. Wenn Hans in seiner Mitte war, gelangen ihm damals seine neuartigen deutsch-englischen Texte fast spielerisch“, erinnert sich Ponger.

KURIER: Können Sie sich noch an die erste Begegnung mit Hans Hölzl erinnern?

Robert Ponger: Klar, da war das Konzert im 16. Wiener Gemeindebezirk. Der Hans war damals Bassist und Backgroundsänger in drei verschiedenen Bands, darunter die beiden Underground-Combos Drahdiwaberl und Hallucination Company. Mit der „Kommerz“-Band Spinning Wheel spielte Falco an einem Sonntag des Jahres 1981 im Albert-Sever-Saal am Schuhmeierplatz. Die Gegend war damals als relativ raues Pflaster bekannt. Ich bin deswegen hingegangen, weil ich mir den Bassisten der Band ansehen und checken wollte, ob Falco auch als Soloprojekt interessant wäre. Hans war zu diesem Zeitpunkt gerade von GIG Records (gegründet von Markus Spiegel, Anm. der Red.) als Mitglied von Spinning Wheel unter Vertrag genommen worden. Beim Konzert ist mir spontan Falcos Ausstrahlung auf der Bühne aufgefallen – eine Mischung aus unterkühlter Wut und Langeweile, gleichzeitig gehetzt und teilnahmslos. Diese Dekadenz gemischt mit einer charmanten Arroganz waren schon etwas Besonderes. Ich war mir sicher, dass er in Zukunft noch viel zu erzählen hat.

*** Robert Ponger war zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter mehr. Er war Organist der Prog-Rockband Acid, ein lokaler Pionier der elektronischen Musikszene und Studiomusiker von Produzent Peter Müller, der damals sein Tonstudio in der Herbststraße in Wien hatte. Ponger agierte in der Studioband, spielte u. a. bei Liedern von Wolfgang Ambros die Keyboards und Sounds ein. Später (1979) veröffentlichte er sein erstes Soloalbum mit Easy-Listening-Elektronik und produzierte danach eine Reihe anderer österreichischer Künstler. Der erste Song, den das geniale Duo Ponger/Falco gemeinsam produziert hat, war „Ganz Wien“, der im September 1981 veröffentlicht wurde.

Danach folgte mit „Der Kommissar“ die zweite Veröffentlichung. Der Song war ja ursprünglich für Reinhold Bilgeri gedacht, oder?

Ja, die von mir angefertigte „Der Kommissar“-Instrumental-Version – sie war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch ohne Namen und Text – habe ich gemeinsam mit dem Entwurf zu „Video Life“ Bilgeri präsentiert. Gemeinsam waren wir der Meinung, dass seine raue Rockstimme besser zu „Video Life“ passen würde. Danach habe ich Falco das Rhythm-Playback zum künftigen „Der Kommissar“ vorgespielt. Und er war sofort begeistert: „Wow. Das will ich machen“, sagt er. Ein paar Tage später war der „Kommissar“-Text fertig. Wir sind dann ins Konzerthaus-Studio gegangen, wo früher die Großen der damaligen Schlagerszene wie zum Beispiel Peter Alexander oder Caterina Valente aufgenommen haben. Dort wurde „Der Kommissar“ dann aufgenommen. Zuerst habe ich alle Sounds im Alleingang zum Drumcomputer eingespielt: Mini Moog, Poly Moog, Prophet V und der Linn LM-1. Dieser Schlagzeugcomputer war Wochen vorher international neu auf den Markt gekommen und hatte damals einen stolzen Preis – weit über 100.000 Schilling. Er prägt rhythmisch das ganze „Einzelhaft“-Album – alle anderen Tracks wurden, wie gesagt, live dazu synchronisiert eingespielt. Die Gitarren stammen übrigens von Peter Vieweger (derzeitiger AKM-Präsident, Anm. der Red.).

*** Die Musik auf „Einzelhaft“ ist gezeichnet vom massiven Einsatz von Synthesizern und Gitarren, für den Zusammenhalt sorgt der Linn LM-1 Schlagzeugcomputer, den Ponger damals als erster Musiker, im Studio in Österreich, verwendete. Er lieferte den Songs den treibenden kühlen Beat und wird sogar auf dem Cover des Albums in der Musikerliste aufgeführt. Produziert wurde das Album vom Perfektionisten Robert Ponger sehr temporeich und den internationalen Standards entsprechend, er und der Gitarrist Peter Vieweger gaben den Songs jene Sounds und Spirits, die dafür sorgten, dass die Titel noch Jahrzehnte später nichts von ihrer Faszination verloren haben.

Wie kam es zum für Falco so typischen Sprechgesang?

Robert Ponger: „Der Kommissar“ war ursprünglich als komplett (Strophe und Refrain) gesungener Titel geplant. Nachdem Hans anfangs den ganzen Titel gesungen hatte, war mir nach dem Abhören klar: Der Refrain kommt zwar gut, aber die Strophen klingen harmlos, passen irgendwie nicht zu Falco. Ich habe dann zu Hans gesagt: „Ich kann mir vorstellen, dass dir die Strophenmelodien gesprochen oder vielleicht gerappt viel mehr entsprechen werden, probier das doch. Falco hat daraufhin die Strophen von „Der Kommissar“ spontan aufs Tape gerappt. Wir alle im Studio waren sofort von Falcos neuer Performance begeistert. Dass dies auch die Geburtsstunde des deutschen Raps war, war uns damals nicht bewusst. Wir brauchten dann für die erste Single-Auskoppelung noch einen zweiten Song, eine Rückseite. Damals stürmte „Heroes“ von David Bowie gerade die Charts. Für Falco war Bowie immer schon ein Idol gewesen. Er hat dann zu mir gesagt, dass er „Heroes“ gerne auf Deutsch singen möchte, und wünschte sich von mir einen möglichst originalgetreuen Nachbau des Bowie Playbacks, das ich dann auch angefertigt habe.

*** „Helden von Heute“ ist nach „Ganz Wien“, mit dem Falco im Jahr 1979 seine Solokarriere einleitete, der zweite Song, bei dem der deutsche Text von ihm stammte. Die Hommage an David Bowies „Heroes“ ist in Sachen Melodieführung und Instrumentierung sehr stark an das Original angelehnt. Falco wollte das Lied ursprünglich als zweite Single veröffentlichen. Da aber sein damaliges kreatives Umfeld einheitlich der Meinung war, dass die geplante B-Seite („Der Kommissar“) eindeutig das kommerziellere Stück wäre, wurde „Helden von Heute“ nach langen Diskussionen nicht die A-, sondern die B-Seite der Schallplatte. Bei der österreichischen Pressung wurde eine Kompromisslösung getroffen: Statt A- und B-Seite gibt es eine X- und Y-Seite. In Anlehnung an die TV-Show „Aktenzeichen XY ungelöst“.

Danach eroberte „Der Kommissar“ nach und nach die Welt …

Robert Ponger: Die Single-Auskoppelung ging in den österreichischen Charts sofort auf Nummer 1. Dabei gab es nicht einmal ein dazugehöriges Video, kein Plakat, keine Werbung. Der Song kam über die Clubs, über die DJs zu den Leuten und von dort erst ins Radio. Damals war das U4 der Szene-Tempel Wiens. Dort trafen sich die unterschiedlichsten Gesellschaftskreise, so auch Punks, die Rocker und so weiter. Ich bin dann, nach dem die „Kommissar“-Aufnahmen fertig waren, mit einer Musikkassette ins U4 gepilgert und habe sie dem dort damals als DJ agierenden Wolfgang Strobl in die Hand gedrückt, um den Song auf der Tanzfläche zu testen. In dieser Nacht, bei dieser Premiere hat das Publikum im U4 auf die Energie und Spirit des neuen Falco-Songs sehr gut reagiert.

Nicht nur im U4 oder in ganz Österreich: Der „Kommissar“ wurde ein globaler Hit.

Robert Ponger: Genau, nach Österreich erreichte die Platte in Deutschland Platz 1. Und das, obwohl Falco anfangs in den großen deutschen TV-Shows nicht auftreten durfte, dort gerade die Neue Deutsche Welle die Charts dominierte. Es waren paradiesische Zeiten. Der „Kommissar“ ging in der Folge weltweit los wie eine Rakete. Bis heute wurden über sieben Millionen Singles verkauft. Das kann man sich heutzutage alles gar nicht mehr so richtig vorstellen. Die globale Aufmerksamkeit war enorm, wir wurden vom weltweiten Erfolg des „Kommissars“ regelrecht überrollt, haben viel Geld verdient. Vom amerikanischen Musikverlag Warner Chappell kam dann die Anfrage, ob wir eine englische Version von „Der Kommissar “ machen könnten. Falco wollte das aber nicht. Ich habe mehrmals versucht, ihn zu überreden. Ohne Erfolg. Für den englischsprachigen Markt coverte dann die britische New-Wave-Band After The Fire das Lied mit Falcos Einverständnis und erreichte damit 1983 Platz 47 der britischen Single Charts – und Platz 5 der US Billboard Hot 100.

Was macht „Einzelhaft“ in Sachen Sound und Ausstrahlung so zeitlos, so besonders?

Robert Ponger: Zum Zeitpunkt der Produktion kam, wie bereits im Gespräch erwähnt, gerade der Linn-LM-1-Drumcomputer auf den Markt. Ein Gamechanger. Denn damals gab es noch keine Sequenzer-Programme, geschweige denn jegliche Computer-Hardware oder Musik-Software. Mit dem Linn LM-1 hat sich die Popwelt schlagartig verändert: Über die Welt verteilt hat dieser Schlagzeugcomputer in 20 bis 30 Welthits der 1980er- und 1990er-Jahre den Rhythmus vorgegeben und Druck gemacht. Zum Beispiel bei Princes „1999“, Elton Johns „Nikita“, Stevie Wonders „Happy Birthday“. Das Geheimnis des Erfolgs von „Einzelhaft“ war aber nicht nur der Drumcomputer, sondern auch seine damalig solitäre Rolle bei den Aufnahmen: Der Linn LM-1 war Teil der live im Studio spielenden Musiker – Mensch traf Maschine, könnte man sagen. Und dann war da noch Falco als Texter und Performer in der Form seines Lebens.

Neues zum Todestag

Anlässlich des  Todestages von Falco (1957–1998), der sich am 6. Februar zum 25. Mal jährt,  erscheint eine Neuauflage des Albums "Einzelhaft", die Produzent Robert Ponger  re-mastered hat. In der Deluxe-Vinyl-Version wurde nicht mit  Bonus-Tracks gespart  – sie sind auf zwei  Schallplatten verteilt. Es handelt sich dabei um  seltene Versionen und Edits. Besonders interessant ist dabei die Extended Instrumental Version von „Der Kommissar“ – dieser Mix war  bislang nur  auf einer niederländischen White Label-Pressung erhältlich.  Die Deluxe-Edition auf Doppel-CD beinhaltet neben Remixes auch  rare Live-Versionen von  u. a. „Helden von Heute“ und „Zuviel Hitze“ – aufgenommen bei Falcos allererstem Wiener Stadthallen-Konzert am 1. November 1982

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