© Wien Museum CC0

Kultur & Freizeit

Jubiläum: Wien wird durch die Weltausstellung zur Metropole

1873 fand in Wien die Weltausstellung statt. Obwohl sie ein finanzieller Flop war, half sie Wien zum Aufstieg als wirtschaftliche Metropole.

von Agnes Preusser

01/02/2023, 01:39 PM

Sie war ein Bau der Superlative – damals, im Jahr 1873, die größte jemals errichtete Kuppel der Welt. Mit einem Durchmesser von 108 Metern, einer Höhe von 84 Metern und einer Grundfläche von rund 9.000 m2 war die Rotunde im Wiener Prater deutlich größer als die Kuppel des Petersdoms in Rom.

All das hielt die Wiener aber nicht davon ab, zu granteln. Die Rotunde wurde im Volksmund zunächst zum Guglhupf. Der Rundbau war trotz der Schmähungen das Herzstück der Wiener Weltausstellung vor 150 Jahren, die bis heute die Stadt prägt.

1873 pilgerte die ganze Welt nach Wien, um ihre eigenen Innovationen zu zeigen. 53.000 Aussteller aus 35 Ländern kamen zur internationalen Leistungsschau. Laut Wien Tourismus markiert das den Startpunkt des modernen Städtetourismus. Nicht umsonst wurden im Jahr der Weltausstellung bis heute klingende Namen wie das Café Landtmann, das Palais Hansen Kempinski oder das Hotel Imperial eröffnet.

Innovation

Das Jubiläum der Weltausstellung ist darum das Jahresthema 2023 des Wien Tourismus (siehe Artikel unten). „All great things start in cities: Städte sind Zukunftslabore, die heute innovative Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickeln“, sagt dazu Norbert Kettner, Direktor des Wien Tourismus.

Und tatsächlich: Wien wurde durch die Innovationen der Weltausstellung endgültig zur viel beachteten Metropole. Die Schau sei aber nur ein Faktor dafür, erklärt Eva Offenthaler, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Auch die Stadterweiterung, die Donauregulierung und der Bau der I. Wiener Hochquellenleitung hätten zu dieser Entwicklung beigetragen. Die Weltausstellung habe aber „einen Impuls gegeben, dass man all diese Dinge vorantreibt.“

 

Großveranstaltung
Die Wiener Weltausstellung fand vom  1. Mai bis zum 2. November 1873 auf dem Pratergelände statt – auf einer Fläche von 233 Hektar

25 Gulden 
kostete eine Eintrittskarte für den Eröffnungsakt – davon konnte eine vierköpfige Arbeiterfamilie drei Wochen lang leben 

TV-Tipp
Der  traditionelle ORF-Film zur Pause des Neujahrskonzerts der Philharmoniker widmet sich der Weltausstellung: am 1.1.2023 um ca. 11.50 Uhr auf ORF2 
 

Als erstes Austragungsland einer Weltausstellung im deutschsprachigen Raum wollte man besonders beeindrucken – und insbesondere die Pariser, die die Ausstellung davor, im Jahr 1867, ausrichteten, in den Schatten stellen.

Darum zeigte man sich auch überaus weltoffen. Im Magistrat seien „circa 30 Kommunalbeamte der französischen Sprache mächtig, der italienischen 8, der slawischen Sprachen 38 usw.“, wurde in einer Stuttgarter Zeitung berichtet. Nachsatz: „In Paris waren zur Zeit der Weltausstellung die Kommunalbeamten nur ihrer Muttersprache mächtig.“

Finanzielles Desaster

Die Veranstaltung war finanziell allerdings trotzdem ein totaler Reinfall. Gerechnet wurde mit 20 Millionen Besuchern, schlussendlich kamen nur etwas mehr als sieben Millionen.

Gründe dafür gibt es viele: Der Börsencrash kurz nach der Eröffnung dämpfte die Reisefreude und ein Cholera-Ausbruch in Wiens Elendsvierteln schreckte viele internationale Gäste ab. Starke Regenfälle vor und während des Starts der Weltausstellung verwandelten den Prater zudem in ein unwegsames Sumpfgelände.

Das finanzielle Minus war so groß, dass man sich den Abriss der Rotunde nicht mehr leisten konnte (oder wollte) – sie avancierte in der Folge jedoch zu einem viel beachteten Wahrzeichen, bis sie 1937 einem Brand zum Opfer fiel.

Von Ägypten bis Japan

Wer es zum Ausstellungsgelände nach Wien schaffte, dem wurde aber einiges geboten. Für die Besichtigung sämtlicher Ausstellungsobjekte hätte man 40 Tage gebraucht. Die Stadt in der Stadt wurde innerhalb von 20 Monaten aus dem Boden gestampft. Ägyptische Bauten waren ebenso zu finden wie ein nordamerikanisches Wigwam oder ein japanischer Garten. „Ost und West näherten sich an, mit der Weltausstellung begann auch ein Japan-Hype“, so Offenthaler. Es war zudem die erste Weltausstellung, die von Japan beschickt wurde.

Viele internationale Gäste beehrten Wien. Für die größte Begeisterung sorgte Nāsir al-Dīn, der Schah von Persien. 40.000 Menschen kamen am selben Tag, um einen Blick auf ihn zu erhaschen. Über niemanden sonst wurde in der internationalen und heimischen Presse so ausführlich berichtet – und das auch noch nach seiner Abreise. Schließlich hatte er viele offene Rechnungen bei Juwelieren hinterlassen, weil er nach Landessitte die Gastfreundschaft nicht verletzen wollte, indem er seine Einkäufe bezahlt.

Eine besondere Attraktion dürfte auch ein riesiges Schauaquarium gewesen sein. Dort konnten viele Wienerinnen und Wiener erstmals Krokodile sehen. Sehr beliebt war ein Seehund, der sich umdrehte, wenn man ihn bei seinem Namen Peterl rief.

„I hab’ no kan Seehund kennt, der so ein lieber Kerl war“, wird ein Besucher in der Ausstellungszeitung zitiert. In Wien gibt es keine größere Liebeserklärung.

Trotz der Begeisterung ist Peterl aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden – im Gegensatz zur umstrittenen Rotunde. Man kann eben noch so lieb sein, am Ende siegt in Wien immer der Guglhupf.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Anlässlich des  150-jährigen Jubiläums der Weltausstellung gibt es 2023 in Wien einiges zu sehen. Im  Weltmuseum Wien, wo seit jeher ein eigener Raum der Weltausstellung  gewidmet ist, gibt es zusätzlich von Jänner bis Dezember jeden Samstag um 11 Uhr eine Führung (abwechselnd auf Deutsch und Englisch) mit dem Titel „Die Wiener Weltausstellung 1873 und der Jugendstil“.  weltmuseumwien.at

Ein weiterer Höhepunkt steht im Frühjahr im Prater an: Das Panorama Vienna eröffnet, eine Ausstellungsstätte, die an die Rotunde erinnern soll. Im  34 Meter hohen Gebäude sollen Bilder gezeigt werden, die man aufgrund ihrer Größe nur als Panorama erleben kann.  panoramavienna.com

Im Technischen Museum Wien ist ab 2. Mai die Sonderausstellung „Women At Work. 150 Jahre Frauenpavillon der Wiener Weltausstellung“ zu sehen.
technischesmuseum.at

Das MAK – Museum für angewandte Kunst zeigt ab  7. Juni eine Ausstellung über  J. & L. Lobmeyr.  Die Wiener Traditionsmanufaktur für edles Kristallglas und besondere Luster war 1873 Teil der Wiener Weltausstellung und feiert 2023  das 200. Firmenjubiläum. mak.at

Das Wien Museum öffnet nach mehrjährigem Um- und Ausbau im Dezember wieder seine Pforten  am Karlsplatz. Die heutige Sammlung wurde im Vorfeld der Wiener Weltausstellung initiiert – Exponate von damals gibt es noch zu sehen. wienmuseum.at  
 

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