© dpa/Ursula Düren

07/01/2020

Österreichs Tourismus verliert Marktanteile

Die Zahl der Gäste steigt zwar, aber weniger als in anderen Urlaubsländern. Die Konkurrenz schläft nicht.

von Simone Hoepke

Ankommen und aufleben" lautet der neue Werbespruch der Österreich Werbung. Nicht sonderlich originell, schließlich kann man das überall auf der Welt, monieren Kritiker. "Ich mache mir Sorgen, dass wir im Brackwasser der Beliebigkeit untergehen", sagt Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). "Speziell im Sommer müssen wir das Profil schärfen. Wir verstehen es einfach nicht, die Alpen zu positionieren", ärgert ihn das verstaubte Image des Sommerurlaubs in Österreich.

Die Konkurrenz schläft nicht. Destinationen wie Kroatien haben sich herausgeputzt, Städte wie Prag oder Budapest sind für Städtereisende zum Fixpunkt geworden. Auch außerhalb Europas wird das touristische Angebot stetig ausgebaut. Der internationale Konkurrenzkampf wird härter und das Tourismusland Österreich verliert Marktanteile.

Neue Konkurrenz


2009 gab es noch ein leichtes Plus – vor allem weil Österreich in der Krise weniger Touristen verloren hat als andere Länder. 2010 ging es aber schon abwärts. Von 2009 auf 2011 ist der Marktanteil – gemessen an den nominellen Tourismusexporten der EU-15 – von 6,38 auf 5,98 Prozent gefallen, geht aus dem Tourismusbericht 2011 von Wirtschaftsminister Mitterlehner hervor. Nicht nur wegen der neuen Konkurrenz. "Was noch viel schwerer wiegt, sind die Verluste auf unseren wichtigsten Herkunftsmärkten, wie Deutschland", sagt Schellhorn. Die Deutschen urlauben verstärkt in ihrem Heimatland – etwa an der Ostsee. Während in der EU die Nächtigungszahlen im Vorjahr um vier Prozent gestiegen sind, weist Österreich gerade einmal ein Plus von einem Prozent aus. "Auch wenn wir bei 156 Millionen Nächtigungen im Jahr auf hohem Niveau jammern, gebe ich mich ungern damit zufrieden, dass wir die schwächste Entwicklung haben", wettert Schellhorn

"Ich habe weniger ein Problem, wenn wir international Marktanteile verlieren", sagt dagegen Rainer Ribing, Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus. Realistisch gesehen, seien Zuwächse kaum mehr möglich. Schließlich buhlen Jahr für Jahr mehr Urlaubsdestinationen um den Gast. Aber es gibt auch immer mehr Urlauber. Heuer wird es laut Welttourismusorganisation UNWTO weltweit erstmals mehr als eine Milliarde Reisende geben.

Letztlich sei nicht der Marktanteil entscheidend, sondern die Entwicklung der Nächtigungszahlen und der Umsätze, so Ribing. Über Erstere wird gerne und oft gejubelt. Allerdings wird weniger gern dazu gesagt, dass viele Nächte mit Schleuderpreisen erkauft wurden. Im Krisenjahr 2009 sind die Tourismusumsätze um real 6,1 Prozent gesunken, auch 2010 und 2011 gab es ein Minus. Anders gesagt: Das Niveau von 2008 wurde nicht mehr erreicht, die Preise im Österreich-Schnitt seit 2008 nicht mehr angehoben. Schellhorn: "In Wien sind sie in den vergangenen vier Jahren sogar um sieben Prozent gesunken." Touristen freut’s. Buchungsplattformen werfen auf Knopfdruck das billigste Bett in der Wunschdestination aus, was den Preiskampf weiter anheizen wird.

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