© SF/Christian Schuller Decca

06/08/2022

SALZBURGER FESTSPIELE PFINGSTEN 3. - 6. Juni 2022

Fulminante Vorstellungen unter der künstlerischen Leitung von Cecilia Bartoli

von Michael Rettenegger

Mit einer Auslastung von 98 Prozent und einer überwältigenden Publikumsresonanz gingen die Salzburger Festspiele Pfingsten 2022 zu Ende. Über 10.400 Gäste aus 41 Nationen Gäste kamen nach Salzburg – darunter primär aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA, um die „BartoliFestspiele“ mit künstlerisch wunderbaren und inspirierenden Momenten zu genießen. Und dies wieder in gewohnter Manier ohne maßgebliche Corona-Einschränkungen: „Die Freude und die Emotionen des Publikums und der Künstler waren in allen Aufführungen deutlich spürbar und spiegeln die essentielle Notwendigkeit eines gemeinsam geteilten, unmittelbaren Bühnenerlebens wider“, freut sich Festspielpräsidentin Dr. Kristina Hammer. Die Reise führte diesmal nach Sevilla, an einen der erklärten Sehnsuchts- und Inspirationsorte von Cecilia Bartoli. Einer einmaligen Stadt, in der nicht umsonst 153 Opern spielen. Und die den mitreißenden Flamenco hervorgebracht hat, der mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe zählt. 

 

Rolando Villazon´s Neuproduktion von Rossinis Il barbiere di Siviglia: Der Clown als künstlerisches Element

Den Auftakt bildete die umjubelte Neuproduktion von Gioachino Rossinis Il barbiere di Siviglia in der Regie von Rolando Villazón, der sein Festspiel-Debüt als Regisseur feierte. Der Regisseur verlegt die Handlung von Rossinis Oper in die 1930er Jahre. Die Inszenierung spiele damit, wie wichtig das Live-Erlebnis von Theater ist, indem sich die Welt des Films immer wieder mit der Welt der Bühne vermischt. Bewusst spielt Villazon mit dem Clown als künstlerisches Element: „In seinem Verlieren aber ist der Clown am Ende der Gewinner, denn er macht immer weiter, versucht immer wieder die Regeln neu festzulegen, auch wenn er im Chaos unterzugehen scheint.“ Eine Inspiration für diese Idee sei Woody Allens Film The Purple Rose of Cairo gewesen. „Es gibt Videoszenen mit den Sängern zu sehen. Die Action aber passiert auf der Bühne, das lebendige Theater steht im Vordergrund“, sagt Rolando Villazón. Cecilia Bartoli als Rosina, Edgardo Rocha in der Rolle des Conte d´Almaviva, Nicola Alaimo (Figaro), Ildebrando D´Arcangelo (Basilio) Alessandro Corbelli (Bartolo) glänzten als Solisten.

Gefeiert wurden auch Les Musiciens du Prince — Monaco und der Philharmonia Chor unter der musikalischen Leitung von Gianluca Capuano. Für ein pianistisches Highlight sorgte Javier Perianes, der sein Matinee-Programm mit Auszügen aus Isaac Albéniz´ vierbändiger Sammlung Iberia, aus Manuel de Fallas Suite El amor brujo und Enrique Granados´ Zyklus Goyescas in iberischen Klangfarben ausmalte und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Krönender Abschluss: „Carmencita & friends“

Standing Ovations und zahlreiche Zugaben nach dem Gala-Konzert „Carmencita & friends“, die den Abschluss der diesjährigen Abschluss der Pfingstfestspiele bildeten. Mit Cecilia Bartoli, Piotr Beczala, Plácido Domingo, Ildebrando D’Arcangelo und John Osborn lieferten hochkarätige Solisten eine musikalische Hommage an die Stadt Sevilla. Musikalisch nach Andalusien begleitet werden sie vom Orchester Les Musiciens du Prince — Monaco sowie Musikerinnen und Musikern der Würth Philharmoniker und des Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Gianluca Capuano. Für tänzerische Farbtupfer sorgte María Pagés. Humorvoller Abschluss war ein musikalischer Abstecher nach Neapel.