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07/02/2020

Ötztal/Sölden: Der außergewöhnliche Hüttenwirt

Bei dem Hüttenwirt von der Gampe Thaya im Ötztal gibt’s keine Pommes und kein Cola. Dafür frische Produkte auf der eigenen Käseproduktion.

von Maria Gurmann

Die ganze Familie wird Jakob Prantl am 16. Juni beim Almauftrieb auf die Gampe Thaya begleiten. Zehn Kühe und acht Prantls. „Meine vierjährige Enkeltochter ist die jüngste, meine 94-jährige Mutter Karolina die älteste.“ Vier Stunden werden sie brauchen, bis das Tiroler Grauvieh von Zieselstein bei Sölden die Hütte auf 2.000 Meter erreichen wird.

Dort bekommen Besucher kein schnelles Essen. „Pommes und Cola gibt’s bei uns nicht, dafür Kaas aus der eigenen Almkäserei, Honig, Speck, Gemüse und Kräuter aus der Region“, erzählt der Vollblut-Land- und Hüttenwirt, der am liebsten selbst in der Küche steht. „Wir sind sieben Buben gewesen, keine Schwestern, abwaschen und kochen haben wirgelernt“, sagt der 59-jährige Optimist und lacht, als hätte es keine Krise gegeben. „Wir waren immer sparsam – mit der Natur und mit den Viechern. Kündigen haben wir keinen müssen.“

Das Brot backt seine jüngste Tochter, die mit Jakob Prantl in der Küche werkt. „Das hat sie von ihrer Großmutter gelernt.“ Die rüstige Oma (siehe Bild) ist es auch, die ein Mal pro Jahr das „Muas“, ein Ötztaler Alltagsgericht, auf der Gampe Thaya zubereitet: „Eine Einbrenn aus bissel Wasser, Milch und Maismehl machen, die Eisenpfanne auf dem Herd lassen, bis eine Scharre – ihr sagt’s Kruste dazu – ist, Bauernbutter drauf, fertig.“ Das weckt Kindheitserinnerungen. „Das Muas war unsere Mahlzeit in der Früh und am Abend, jeden Tag.“

Keine Fertigprodukte auf der Alm

Vor 25 Jahren haben ihm alle prophezeit, dass sein Konzept, ohne Convenience-Food auf der Hütte auszukommen, nicht funktionieren werde. „Aber ich bin immer noch da. Ich habe sehr viel von unseren drei Kindern gelernt. Der Herrgott hat es zugelassen, dass man mich auch belehren kann.

Zuvor, als wir im Hotel gearbeitet haben, kam der Vorwurf von den Kindern, wir hätten zu wenig Zeit für sie.“ Heute sind seine beiden Töchter auf der Gampe, sein Sohn in der Landwirtschaft und die Enkelkinder mit auf der Alm. „Wir sind eine florierende Familie – und damit meine ich nicht das Geld“, sagt Jakob voll stolz. Sein Tag beginnt um 5.15 Uhr mit Kaffee. Dann geht er im Arbeitsgewand zum Melkstand: „Die Kühe kommen, wenn ich schrei.“ Um 7.15 Uhr gibt’s Frühstück, anschließend geht’s im weißen G’wand in die Käserei, bevor er um 11 Uhr, wieder im Arbeitsgewand, in der Landwirtschaft oder in der Küche alle Hände voll zu tun hat.

Info

Seit heute, 11. Juni 2020  hat  die (nat)Ur Hütta & Gampe Thaya wieder geöffnet.

Jakob & Daniela Prantl OG
Postfach 12, A-6450 Sölden

Anfragen & Reservierungen unter Hüttentelefon unter

Malkurs: Am 27. und 28. Juni 2020 veranstaltet   Ulli Strigl, Ötztaler Künstlerin von Strigl Art, einen Mal-Workshop auf der Alm, Preis inkl. 3-Gänge-Menü (ohne Getränke) 119€ pro Tag
Kultur: „Jung & Frisch“ spielen am 12.  Juli 2020 Tiroler Volksmusik auf der Gampe. jungundfrisch.at
Essen: Almbrunch Mittwoch und Samstag von 10.30 bis 12 Uhr. 25,50 € p. P.,  gampethaya.riml.com

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