Im Städtetourismus läuft es noch nicht gut

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07/01/2020

Normierung ist der Tod der Tourismusbranche

Die Branche braucht innovative Gründer und bessere Bedingungen für die Stammbelegschaft, sagen Experten.

Die Rollen am Saisonende sind fix verteilt: Vertreter von Hoteliers und Gastronomen jubeln gern über ein Gästeplus und streichen ihre Bedeutung als Arbeitgeber heraus. Gewerkschafter verweisen dagegen auf schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne im Tourismus und betonen, dass viele bei der erstbesten Gelegenheit die Branche wechseln.

"Nur Jubeln und Jammern bringt uns nicht weiter", sagt Dominik Walch, Tourismusexperte vom Institut für Höhere Studien (IHS). Er fordert von den Sozialpartnern einen differenzierteren Blick auf die Branche, um der Durchschnittsfalle zu entkommen. Bei einer Podiumsdiskussion der Bundessparte Tourismus beim Forum Alpbach war daher auch Buchautor Markus Hengstschläger (Anm: Autor des Bestsellers "Die Durchschnittsfalle") eingeladen.

Hengstschläger im KURIER-Gespräch: "Wir müssen die Jugend wieder für den Tourismus begeistern. Von ihnen und ihren neuen, innovativen Unternehmen wird es abhängen, ob wir im internationalen Konkurrenzkampf bestehen." Die Politik muss seiner Meinung nach vor allem die Steine auf dem Weg zur Selbstständigkeit wegräumen und für flexible Beschäftigungsverhältnisse sorgen. "Ohne individuelle Konzepte geht gar nichts", mahnt er. "Im Massentourismus kann Österreich nicht mitspielen." Denn Österreich habe nicht wie die Türkei viel von einem Angebot – also Meer und Strand –, sondern viele kleine, unterschiedliche Destinationen: Von Wien über die Landeshauptstädte, Thermen, Skigebiete, Seen bis zu Kulturevents. "Da kann man nicht einfach einen Durchschnitt bilden und sagen, dass ist der Österreich-Tourismus. Die Flexibilität ist unsere Chance, politische Normierung der Tod."

Walch hat sich die Beschäftigungsverhältnisse im Detail angeschaut. 425.700 Menschen waren 2011 im Tourismus beschäftigt, 85.000 davon haben fixe Saisonjobs, 240.000 waren nur kurz in der Branche tätig.

Kernbelegschaft

Zur ganzjährigen Kernbelegschaft zählen knapp 100.000 Mitarbeiter. Walch: "Um diese müssen wir uns kümmern, weil sie die langfristige Perspektive im Tourismus haben." Die Liste der Forderungen reicht von Kindergartenplätzen über betriebsübergreifende Ausbildungssysteme bis hin zu betrieblicher Gesundheitsvorsorge.

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