© Lumen/Paolo Riolzi

Tirol

„Lumen“ in Südtirol: Ein Fotografiemuseum, das einen Besuch wert ist.

In einem ehemaligen Gipfelhaus einer Seilbahn im Skigebiet Kronplatz wird auf ansprechende Weise die Geschichte der Bergfotografie behandelt.

von Ingrid Teufl

03/01/2023, 12:01 PM

Das Panorama oben, auf über zweitausend Metern, ist höchst beeindruckend. Die Dolomiten reihen sich rundum aneinander, fast schwindelig wird einem davon. Dafür, und vermutlich für eine möglichst schnittige Abfahrt auf den Skiern, gondelt man hier sprichwörtlich herauf, in das beliebte Skigebiet Kronplatz in Südtirol nahe der Stadt Bruneck. Ein anderes Erlebnis ist hier eher nicht zu erwarten. Glaubt man. Gibt es aber. Und das sollte tatsächlich nicht ausgelassen werden.

Der Weg dafür ist nicht weit, direkt am Hochplateau führen ein paar Schritte zur ehemaligen Gipfelstation der Kronplatz-Seilbahn. In der Zeit von 1963 bis 2000 transportierte sie Sommer- und Wintersportler herauf. Dann ging die damals größte Umlaufseilbahn der Welt in Betrieb – für das alte Gebäude brauchte es eine neue Bestimmung. Die schließlich in einem besonderen Museum gefunden wurde. 2017 wurde, nach einem groß angelegten Umbau, dieses Museum namens Lumen eröffnet, der Maßeinheit für Lichtstrom. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt (für ein Museum im Skigebiet), fügt sich bereits beim Betreten des lichtdurchfluteten und offenen Raums nahezu perfekt in die Umgebung: Wo, wenn nicht inmitten dieses spektakulären Panoramas, würde eine Dokumentation der Geschichte der Bergfotografie besser hinpassen als eben mitten in die Berge? Es ist ja unbestritten: So wie die Berge seit ewigen Zeiten die Menschen faszinieren, so begeistern sie auch Fotografien schon seit den Anfängen dieses Mediums im 19. Jahrhundert. Wenn also die Faszination für zwei derart aufgeladene Bereiche aufeinandertrifft, bringt das beeindruckende Ergebnisse. Sie halten nicht nur den Moment oder die künstlerischen Fähigkeiten des Fotografen in Bildform fest. Sie bleiben auch lange Zeit erhalten, werden mitunter sogar historische Dokumente.

Der Kopf ist beim Betrachten der unzähligen Berg-Fotografien voll von derartigen Gedanken. Man taucht in die Anfänge der Fotografie ein und bereits die ersten Aufnahmen von Bergen machen ein vermeintliches Insider-Thema individuell erlebbar. Bei der Zeitreise bis zu den modernsten und ausgefeiltesten Farbbildern oder den wechselnden Ausstellungen über einzelne Fotografen oder Schwerpunktthemen findet jeder Interessantes. Wem nach visuellen Erlebnissen anderer Art zumute ist, der findet diese ebenso. Zum Beispiel angesichts des „Shutter“, einem Fenster ähnlich einer riesigen Blende eines Fotoapparats, die sich öffnen und schließen lässt. Oder als Höhepunkt beim Besuch des spektakulären Spiegelsaals, in dem man sich wie im Inneren eines Kaleidoskops glaubt. Spiegelbilder der Besucher fließen mit Farben ineinander. Verwirrung für die Sinne. Auch im übertragenen Sinn ein wahres Spiegelbild der Atmosphäre auf den Gipfeln der Berge. Ingrid Teufl

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