© Cordula Rabe

Outdoor & Sport

Packen, planen, pilgern: "Handbuch Pilgern" vom Rother Bergverlag

Fit für die erste Pilgerreise. Im "Handbuch Pilgern" gibt Cordula Rabe Einblick in ihre Erlebnisse beim Pilgern und verrät Wissenswertes.

08/22/2022, 11:15 AM

Es packt mich bei jedem Weg. Allein dieser Moment vor dem ersten Schritt: Der Weg ist vorgegeben und doch führt er ins Ungewisse. Es ist wie ein Buch aufzuschlagen, dessen Geschichte ich noch nicht kenne - weil ich sie in den folgenden Wochen und Tagen selbst schreiben werde. Pilgern ist aber nicht nur zu "reisen", Es ist ein Lebensgefühl. Wer es einmal erlebt hat, den oder die lässt es nicht mehr los.

Cordula Rabe

Dieses Zitat findet sich im Vorwort des "Handbuch Pilgern" , das im Rother Bergverlag erschienen ist. Es stammt von der Autorin des Buches - Cordula Rabe, die neben ihrer Autorinnentätigkeit auch Pilgerexpertin ist und ihre Erfahrungen mit den LeserInnen teilt. Neben dem "Handbuch Pilgern" hat sie schon zahlreiche andere Werke im Rother Bergverlag veröffentlicht, in denen sie sich mit dem ihre Erlebnisse aus 20 Jahren Pilgererfahrung schildert und Routen des Jakobswegs, wobei das "Handbuch Pilgern" das persönlichste und für EinsteigerInnen am besten geeignete ist.

Einführung in die Welt des Pilgerns

Wer meint, dass es sich beim Pilgern um ein rein christlich-religöses Phänomen handelt, der irrt und wird schon beim Lesen der ersten Seiten des Buches eines besseren belehrt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Jakobsweg wiederentdeckt und ein regelrechter "Pilgerboom", so Cordula Rabe, ausgelöst. Pilgern wurde facettenreiche und bunt, das Nebeneinander unterschiedlicher spiritueller  Ansätze stand im Mittelpunkt, sodass ein breiteres Publikum angesprochen wurde.

Pilgern gab es  schon immer und überall: Ob bei den Griechen, die 700 Jahre vor Christus zum Orakel von Delphi wanderten, Inka oder Buddhisten, die zu heiligen Stätten pilgerten oder die berühmte "Hadsch" nach Mekka. Im christlichen Glauben gilt übrigens Abraham als erster Pilger, der auf Geheiß Gottes seine Familie und die Heimat, den heutigen Irak, verließ, um sich auf die Suche nach dem Gelobten Land zu machen. Der Jakobsweg etablierte sich schließlich im 9. Jahrhundert nach Christus zum beliebten Pilgerziel für Christen, die das Grab des Apostel Jakobus im Nordwesten der Iberischen Halbinsel besuchten.

Heutzutage ist Pilgern 2.0 angesagt, man muss weder religiös noch gläubig sein. Pilgern verkörpert Werte, mit denen sich viele Menschen  egal ob BerufseinsteigerInnen, Frischverliebte oder Leute, die gerade eine menschliche Krise durchleben müssen identifizieren können. Werte wie Achtsamkeit oder Entschleunigung machen Pilgern offen für alle Menschen in allen Lebenslagen.

Und wenn ich mich entschieden habe, auf eine Pilgerreise zu gehen? Welcher Weg passt zu mir? Wie bereite ich mich vor? Was nehme ich mit? All diese Fragen werden im Handbuch Pilgern beantwortet.

Welcher Weg passt zu mir?

Wenn man vom Jakobsweg spricht, dann ist das eigentlich nicht richtig, denn den einen "Jakobsweg" gibt es nicht. Vielmehr gibt es mehrere Wege, von denen der Camino Francés der berühmteste ist. Genauso gibt es aber den Olvasweg von Oslo nach Trondheim, den Lutherweg, auf dem man auf den Spuren Martin Luthers von Eisenach nach Worms wandert oder die Via Francigena von Lausanne über den St. Bernhard Pass, die Po-Ebene und die Toskana nach Rom.

Berühmt ist auch der Franziskusweg, auf dem man Spuren des heiligen Franz von Assisi zwischen Florenz, Assisi und Rom folgt. Buddhisten folgen dem Shikoku-Weg, Jakobsweg-begeisterte BrasilianerInnen machen sich auf den Weg entlang des Camino del Sol. 

Und auch in Österreich gibt es zahlreiche Pilgerwege: den Hemma-Pilgerweg in Kärnten, den Romedius-Pilgerweg in Tirol oder den Benediktweg.

Tipp: Wir empfehlen hier das im Rother-Bergverlag erschienene Buch Jakobswege in Österreich.

Bevor man sich für einen Weg entscheidet sollte man sich im Klaren sein, was man sich von der Reise erhofft. Möchte man in ein bestimmtes Land oder einfach zu sich kommen, egal wo? Auf die Frage, wie viele Tage man für wie viele Kilometer einplanen sollte (denn beim Pilgern wird in Tagen gerechnet), gibt es keine Alleweltformel. Grundsätzlich gehen erfahrene Pilger 25 bis 30 km am Tag, Pilger-Neulinge sollten von weniger als 20 km am Tag ausgehen.

Warum immer das eigene Päckchen tragen? Auf manchen Pilgerwegen wird ein Rucksacktransport von Unterkunft zu Unterkunft angeboten. Kostenpunkt: 5 bis 10 €.

Vorraussetzungen für die Pilgerreise

Bevor man eine Pilgerreise antritt, wird man sich eine entscheidende Frage stellen (die häufig auch von Außen beeinflusst wird): Bin ich fit fürs Pilgern und bereit für eine Pilgerreise? Cordula Rabe formuliert hier sechs Leitsätze. Bei diesen wird man übrigens, wie im gesamten Buch, mit "Du" angesprochen, dies ist auch beim Pilgern üblich. Denn eines ist sicher: "Du pilgerst nie allein".

  1. Du entscheidest: Nur deine Fähigkeiten, deine Kondition und deine Wünsche sind ausschlaggebend, nicht die Erwartungen anderer
  2. Es gibt kein Richtig oder Falsch: Der Schuh muss zu dir passen, nicht du in den Schuh hineinwachsen. Nicht die Länge des Pilgerweges macht die Erfahrung aus.
  3. In kleinen Häppchen denken: Ein Pilgerweg ist wie ein Buch, von dem man eine Seite aufschlägt und dann zur nächsten blättert. Der Weg wird Tag für Tag, Schritt für Schritt, bewältigt.
  4. Die Dinge nehmen, wie sie kommen: Nicht zu viel erwarten, aber auch nicht das Schlimmste befürchten. Lieber auf Begegnungen und Dynamiken einlassen!
  5. Learning by walking: Du solltest nicht ohne Erfahrung auf den ersten Pilgerweg gehen, jedoch ist Vorsicht bei Übervorbereitung geboten.
  6. Dein Weg ist deine Geschichte: Jeder und jede macht während der Pilgerreise unterschiedliche, individuelle Erfahrungen.

Pilgern ist grundsätzlich unabhängig vom Alter, man muss sich nur fit genug fühlen  ja es kann sogar Spaß für die gesamte Familie bedeuten. Ob alleine oder in der Gruppe, auf Pilgerwegen findet man stets Gleichgesinnte, hat aber auch die Gelegenheit, zu sich zu kommen je nachdem, was man sich von der Reise im Vorfeld erwartet. Auch RollstuhlfahrerInnen können sich, mit gründlicher Recherche im Vorfeld, auf Pilgerreise begeben, die mentalen Voraussetzungen müssen passen, dann kann Pilgern sogar zu einem therapeutischen Erlebnis werden.

Hier gilt das Credo "Mehr im Köpfchen, als in den Beinen". Eine Pilgerreise ist eine Berg- und Talfahrt, dessen muss man sich im Vorfeld bewusst sein. Durchhaltevermögen ist gefragt  man wird mit zahlreichen Erfahrungen belohnt.

Praxiswissen für die Pilgrreise

Da es auch beim Pilgern oft anders kommt, als man denkt, kann man den Weg zwar in der Theorie sehr gut planen, in der Praxis kann es aber sein, dass man an einem Ort länger verweilt als geplant. "Der Mensch plant, der Pilgerweg entscheidet", so Cordula Rabe, die auch noch einen Expertinnentipp parat hat: Unterkünfte sollte man eher kurzfristig buchen. 

Neben der Unterkunft, spielt auch der Pilgerrucksack eine tragende Rolle - dieser sollte ohne Tageskleidung nicht mehr als 8 kg wiegen. Hinzu kommen 1 bis 1,5 l Wasser am Tag und der Tagesproviant.

Bei der Wahl der Kleidung rät Rabe zum Besuch eines Fachgeschäfts, wobei diese bequem, leicht und robust sein sollte. Ebenso sollte sie nah am Körper getragen werden und eingetragen, ein paar Mal gewaschen, jedoch auch nicht zu alt sein (sonst geben Reißverschlüsse den Geist auf). In den meisten Unterkünften gibt es auch Waschmaschinen und Wäschetrockner, dennoch empfiehlt sich dunkle Kleidung, um Flecken zu kaschieren. Neben einer Regenjacke ist ein Regenponcho empfehlenswert, ebenso sollte man über den Erwerb von Regengamaschen nachdenken.

Ein Schlafsack wird in den meisten Unterkünften verlangt, ein leichter Kissenbezug macht das Schafen in manchen Unterkünften oft angenehmer. Ohrenstöpsel und eine Schlafmaske sind sicher auch nicht verkehrt und fallen kaum ins Rucksackgewicht. Eine Isomatte hingegen wird nur bei manchen Wegen empfohlen, gehört aber nicht zur Standardausrüstung.

Eine Trinkflasche mit mindestens 1l Fassungsvermögen sollte hingegen unbedingt dabei sein, ebenso wie ein Taschenmesser und Messer, Gabel und Löffel, um in den Unterkünften unabhängig zu sein.

Bei Kosmetikartikeln lautet die Devise, je weniger und je kleiner, desto besser. Mit dabei sollte aber auf jeden Fall ein Mikrofasertuch, Toilettenpapier und Taschentücher sein. Weiters nicht fehlen sollte neben Sonnen- auch eine pflegende Fußcreme. Ebenso sollte man ein kleines Reise Erste Hilfe-Set mithaben, in dem Blasenpflaster integriert sind. Das ist nur ein kurzer Auszug aus den praktischen Tipps, die das Buch rund um die Packliste hergibt, die man  wie eine Checkliste abarbeiten kann.

Neben den gültigen Reisedokumenten gibt es für die meisten Pilgerwege einen Pilgerpass,der als "analoger Begleiter" gilt. Im Mittelalter durfte man sich nur auf Pilgerreise begeben, wenn man vom Pfarrer einen entsprechenden Begleitbrief hatte. Daraus entstand der sogenannte Pilgerpass, der zum Übernachten in Pilgerherbergen berechtigt und mit  dem man manchmal sogar Ermäßigungen erhält.

Der wichtigste Verbündete auf der Pilgerreise ist der Wanderschuh. Wichtig ist es hier, auf die richtige Kategorie zu achten - 1976 entwickelte Alois Meindl nämlich eine Einteilung in Anwendungsgebiete, von denen eines auch "Pilgerschuh" heißt. Cordula Rabe rät hier, sich genügend Zeit bei der Auswahl zu lassen, in manchen Sportgeschäften gibt es sogar eigene Wanderparkours, in denen man den Schuh testen kann. Der Kostenpunkt für einen guten Wanderschuh sind 130,- aufwärts.

Der zweite wichtige Ausrüstungsgegenstand ist der Rucksack. Auch hier wird zu einer guten Beratung statt Onlinekauf geraten. Er sollte nicht zu groß sein, weil man sonst verleitet ist, ihn vollzustopfen. Für das Pilgern kommen Trekkingrucksäcke mit einem Fassungsvermögen von 25 bis 35 Litern in Frage.

Vorbereitung: In drei Schritten in den Pilgermodus

Mit einer guten Vorbereitung wird die Chance erhöht, dass man die Wanderung von Anfang an genießen kann. Cordula Rabe hat hier drei Schritte definiert:

  1. Das Bewegungspensum steigern. Lieber einen Spaziergang machen, anstatt einen Nachmittag vor dem Fernseher zu verbringen.
  2. Den Wandermodus üben. Dies macht man, indem man die Wanderdistanz langsam steigert, auch um herauszufinden, bei welcher Distanz man sich am wohlsten fühlt.
  3. Den Ernstfall proben. Je näher die Pilgerreise rückt, sollte man andenken, eine Mini-Fernwanderung von 2 bis 3 Tagen zu machen.

Neben dem Tipp, am Weg möglichst kein Risiko einzugehen, wird geraten, nicht mit leerem Magen zu pilgern. Sollte der Blutzuckerspiegel doch sinken: Schokolade ist ein sehr dankbarer Begleiter. Mahlzeiten sollte man eher Abends zu sich nehmen, in den meisten Unterkünften gibt es eine Selbstversorgerküche. Tagsüber lautet das Credo: Trinken, trinken, trinken!

Der Pilgeralltag

Die Pilgerherbergen selbst sind besser als ihr Ruf und die Etagenbetten komfortabler, als man meinen möchte. Die Autorin hat sogar eine Herbergsknigge verfasst, die man sich zur Gemüte führen sollte. Man sollte die Pilgerreise aber nicht als Wettlauf von Herberge zu Herberge sehen - alles kann, nichts muss.

Es lohnt sich, möglichst früh aufzubrechen, gerade bei langen Etappen im Hochsommer, wandert es sich in den kühlen Morgenstunden leichter. Pausen sollte man alle zwei Stunden bewusst einlegen und diese auch als "Boxenstopp für die Füße" sehen und ruhig Schuhe und Socken ausziehen. Und wenn eine Etappe angenehmes Gras beinhaltet: ruhig einmal barfuß gehen. Von einem Ruhetag während des Weges, raten erfahrene Pilger übrigens ab.

Sollte man wirklich Blasen bekommen, finden Sie im Buch wertvolle Tipps, diese richtig zu behandeln - ebenso wie Verstauchungen, Krämpfe, einen Sonnenbrand, Magenbeschwerden und Herz-Kreislauf-Probleme.

Mit dem "Handbuch Pilgern" ist es Cordula Rabe gelungen, ein Nachschlagewerk zu verfassen, in dem Theorie und Praxis kombiniert sind. Hilfreiche Tipps sind mit eigenen, persönlich geschilderten, Erfahrungen kombiniert und machen Freude am Lesen des Buches und am Pilgern selbst. Während dem Schmökern werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Lust bekommen, selbst eine Pilgerreise anzutreten mit dem Praxiswissen der Autorin aus dem "Handbuch Pilgern", sind Sie ideal vorbereitet.

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