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Brauchtum

Schwoaftuifl und Miasmann: Der Fasnachtsbrauch des Fisser Blochziehens

Am 29. Jänner findet das Fisser Blochziehen statt: Ein Fasnachtsspektakel, das zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde.

von Christian Willim

01/19/2023, 03:25 PM

Über Fiss liegt bereits die Dunkelheit, als sich eine Gruppe junger Männer vor dem Kulturhaus versammelt. Mit Hüft- und Schultergurten fixieren sie bis zu 15 Kilo schwere Glocken an ihren Körpern. Die Gesichter verschwinden hinter Holzmasken. Angeleitet von Alfred Nigg, einem alten Hasen, der heuer bereits zum siebten Mal beim Fisser Blochziehen in die Rolle eines Schallners schlüpft, springen die Männer kurz darauf im Gleichklang durch die Gassen. Der Sprunglauf ist offensichtlich kräftezehrend.
„Jeder von uns ist sportlich. Aber wir trainieren bereits seit Oktober“, bestätigt einer der Burschen.

„Wir haben eine tragende Rolle“, sagt Nigg, mit seinem grauemBart- und Kopfhaar ein Bergfex aus dem Bilderbuch, schmunzelnd. Er gibt der zwölfköpfigen Truppe den körperlichen Feinschliff. Am 29. Jänner läutet sie im Wortsinn das Fasnachtsspektakel ein, das Fiss im Tiroler Oberland alle vier Jahre in seinen Bann zieht und das 2022 coronabedingt ausfallen musste.

„Er symbolisiert einen Pflug, der die Saat aufbricht“, erklärt Christian Kofler, Obmann des Fisser Blochziehens.
 

Alle ziehen an einem Strang

 In dem vom Tourismus lebenden Bergdorf zwar eigentlich keinen Anlass, den Winter auszutreiben. Aber die Fisser lassen sich davon die Stimmung nicht vertreiben. „Alle vier Jahre zieht die Bevölkerung an einem Strang“, sagt Kofler.Eigentlich zieht jedermann an einem Baum, müsste es vielmehr heißen. Alle männlichen Dorfbewohner ab dem 16. Lebensjahr sind aufgerufen, sich an dem Blochziehen zu beteiligen. „Sie haben ohne große Ausnahmen zugesagt“, erzählt der Fasnachtsobmann.

Rund 350 Menschen des 1.000-Seelen-Ortes schlüpfen in Kostüme, 60 von ihnen in tragen die traditionellen, teils uralten, Fasnachtsmasken sowie die dazugehörigen Gewänder und ziehen aktiv am Baum. Mythische Fantasiefiguren – wie Hexen, der Schwoaftuifl oder der Miasmann – und Abbilder der Protagonisten des einstigen Dorflebens vollführen ein Rollenspiel nach traditionellem Drehbuch. Frauen kommen darin zwar vor, werden aber ebenfalls ausnahmslos von Männern verkörpert. „Das ist uns wurst. Wir sind froh, wenn sie uns nicht brauchen“, versichert Zita Rietzler, während sie Federn an eine neue Kopfbedeckung für den „Giggeler“ – einen Hahn, der Wollust und Fruchtbarkeit verkörpert – näht und ihr ein paar weitere Frauen dabei zuarbeiten. Seit 45 Jahren schon legt Rietzler Hand an, wenn die Fasnachtskostüme Zuwendung brauchen. Wenn die Frauen zwar keine aktiven Rollen einnehmen dürfen und offenbar auch gar nicht wollen, steht für die Damenrunde fest: „Das Blochziehen ist ein großes Highlight für Fiss.“ Für die UNESCO ist es seit 2011 Teil des immateriellen Kulturerbes.

Bis zu 10.000 Besucher werden sich in den engen und steilen Gassen des Bergdorfs einfinden, durch die dann ein 30 Meter langer und sechs Tonnen schwerer Zirbenbaum auf Schlitten gezogen wird. Der sogenannte Bloch gibt diesem rund 500 Jahre alten Fasnachtsbrauch seinen Namen und steht im Zentrum des Treibens.

fiss Blochziehen
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