Der Eingang ins Teischnitztal verbirgt, wie weit es dahinter ist.

Der Eingang ins Teischnitztal verbirgt, wie weit es dahinter ist.

© Halbhuber Axel

Tirol

Ein tiefes Tal als Geheimtipp im malerischen Osttitol

Das Teischnitztal in Osstirol ist ein echter Geheimtipp für Ruhesuchende und Wanderfreunde.

von Axel Halbhuber

06/09/2023, 01:39 PM

Der mit Abstand beliebteste „ruhige Platz“ im Sommerurlaub ist die Strand- oder die Poolliege. Auf die ziehen sich fast alle, die Sommerurlaub machen, zurück, denn der ruhige Platz ist so etwas wie die Essenz des Sommerurlaubs. Dort will man „endlich dieses Buch“ lesen, und manchmal lässt man nach einer Stunde auch wirklich vom Handy ab und schafft ein paar Seiten.

In den Bergen suchen die Menschen weniger oft solche Plätze – es ist eh die ganze Zeit ruhig. Wandern ist still, daher ist dabei nicht die Ruhe das Ziel, sondern der Weg. Das Ziel ist meist die Hütte und damit sogar wieder ein bisschen mehr Trubel.

Dieses Tal ist ganz anders

Das Teischnitztal bei Kals in Osttirol setzt diese Weisheiten außer Kraft. Hier vermischen sich die Welten. Und so war der Autor dieser Zeilen sicher weder der Erste noch der Letzte, der sich auf diesem außergewöhnlichen Hochtalboden zwischen Steinwänden, wiesengrünen Hängen und einem Gletscher, der über die Felskante lugt, hingesetzt und im Buch gelesen hat. Handyempfang gibt es hier keinen.

Eigentlich beginnt diese Geschichte damit, dass man beim Urlauben im „Bergsteigerdorf“ Kals schnell den Tälerüberschuss dieser Gegend erkennt. Zwischen Glockner-, Schober- und Granatspitzgruppe verzweigt sich das Kalser Tal immer weiter, die Kleintäler beherbergen einige der beliebtesten Alpinausflugsziele der Massen. Allen voran das Ködnitztal: Von dort gehen zwar auch die meisten Großglocknerbesteiger los, aber noch viel mehr kommen nur zum Essen, Trinken und für den Glocknerblick. Hier dreht sich alles um Ihre Majestät.

Daneben ist das Kalser Lesachtal zwar weit weniger frequentiert, aber auch Ausgangspunkt namhafter Bergtouren. Das Dorfertal, auch ums Eck, ist wiederum sehr beliebt, zwar für Besucher autofrei, aber doch mit Kinderwagen und Tälertaxi befahrbar.

Das Dorfertal

Das sechs Kilometer lange und Hunderte Meter breite Tal wurde 1989 durch den Widerstand der Dorfer Frauen gegen ein monströses Staudammprojekt bekannt und gilt als Miterweckungsmoment der heimischen Öko-Bewegung.

Jetzt schlendern Zigtausende im Jahr vom Anfang durch die grandiose Dabaklamm (hier sollte man durchgehen!) bis zum Kalser Tauernhaus (hier sollte man essen!). Talgeschichte, Flora und Fauna werden auf Tafeln und per Hörpfad erläutert. Das Dorfertal ist ein echtes Talmuseum, samt perfekter E-Bike-Erschließung.

Ins Teischnitztal kann man auch biken und es empfiehlt sich sogar. Denn die ersten vier oder fünf Kilometer in dieses Alpental sind mit ein Grund, warum es so leer, so unbegangen und so geheimnisvoll ist: Serpentinen machen das steile Waldgelände bewältigbar, aber kaum idyllisch. Nur ab und zu ergibt sich freier Blick, dann aber gleich ein gewaltiger – auf die böse wirkende Bretterwand gegenüber und auf honorige Gipfel von Blauspitze bis Vordere Kendlspitze.

Oder in den Graben des Teischnitzbaches, der in den Boden schneidet wie ein Skalpell. Sechshundert Höhenmeter und gut eineinhalb Stunden lang hat man hier Zeit, sich die Umkehr zu überlegen. Daher sehen viele Wanderer nicht, was hinter dieser Einstiegshürde liegt.

Durchhalten auf dem E-Bike

Mit dem unmotorisierten Bike ist dieser Anfang für normale Ruhesuchende nicht machbar, da braucht man sich nichts vorzumachen. Aber man bekommt in Kals auch E-Bikes, im Gradonna Mountain Resort richten sie dir zum Beispiel alles gleich zur Abfahrt her. Mit so einer E-Unterstützung sind die Serpentinen ein Gaudium und sehr plötzlich kommt man zum Zwischenstück, wo der Fahrweg holprig und schmäler ist, teils sogar in den Fels geschlagen, und der Teischnitzgraben immer grimmiger. Das sieht so gewaltig aus, dass auch hier einige kehrtmachen und nicht sehen, was dahinter liegt.

Denn nach zehn weiteren Minuten ist Schluss mit Bedrohlichkeit, hinter der engen Schlucht liegt ein weites Hochtal namens Teischnitzeben. Wiesenhänge, der Bach plötzlich im breiten Kiesbett, bunte Blumen und Kühe. Hier könnte man sofort jeden Bergfilm drehen, nichts stört das Bild, auch keine anderen Menschen. Dass man nicht in irgendeinem Kanada oder Skandinavien ist, merkt man nur am Großglockner und der Glocknerwand, die über dem Talschluss wachen.

Der Genießer geht hier bis an die Hunderte Meter hohen schwarzen Felswände, über die das Schmelzwasser des Teischnitzkees – dem Gletscher, der unter dem Glockner und über diesem Tal liegt – in Hunderten Wasserfällen herunterstürzt.

Und auf dem Rückweg sollte man sich irgendwo in dieser Kulisse hinsetzen und endlich dieses Buch lesen. Aber sagen Sie das bitte niemandem weiter.

Die Schotterstraße endet bei den Pifanghütten, wo auch keiner zu sehen ist. Spätestens hier drehen fast alle um und das ist ein Fehler. Dahinter ziehen sich unmarkierte Pfade noch weiter ins Tal, außerirdisch wirkende Blumen und Moose, der Bach ein Netz aus Bächleins, Felsbrocken groß wie Einfamilienhäuser, verstreut auf den Wiesen dieser Nationalpark-Kernzone.

Info

Anreise Täglich direkt von Wien nach Lienz in 5:48 Std. (oebb.at), ab dort bieten einige Hotels Shuttles (z. B. Gradonna kostenfrei).

Quartiere Es gibt in Kals einige sehr schöne Hotels und Privatzimmer, außergewöhnlich ist das Gradonna Mountain Resort Chalets & Hotel: im Sommer DZ Klassik ab 138 € p. P. mit Gourmetpension (großes Frühstücksbuffet, Nachmittagssnack, abends mehrgängiges Haubenmenü oder Schmankerlbuffet). Inkl. Gipfelticket für Bergbahnen Kals-Matrei, St. Jakob, Sillian-Hochpustertal. Info: gradonna.at

3.798Meter misst der Großglockner als höchster Berg Österreichs. In Kals und Umgebung hat man ihn immer wieder im Blick. Alle Infos zur Gegend: osttirol.com

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