© Jürgen Skarwan

11/11/2020

Die Tradition des Fasselrutschens in Klosterneuburg

Beim Leopoldifest findet seit Jahrhunderten eine beliebte Rutschpartie statt

von Stefanie Blauensteiner

Ein Fest zu Ehren von Leopold III

Am 15. November ist Leopolditag – das freut die Schülerinnen und Schüler in Wien und Niederösterreich, die an diesem Tag schulfrei haben. Einen besonderen Stellenwert hat dieser Tag seit dem 11. Jahrhundert in Klosterneuburg. Geehrt wird nämlich Leopold III., berühmt geworden als Markgraf von Österreich (1095–1136), Gründer des Stifts Klosterneuburg und Landesheiliger von Niederösterreich und Wien. Kaiser Leopold I., der ihn zum Landespatron erhob, verband dies mit dem Wunsch, dass der Festtag des Heiligen mit entsprechender Würde und gebührendem Aufwand begangen werden ­sollte.

Im Mittelalter wurden an diesem besonderen Tag Fleisch, Brot, Wein und Silbermünzen mit den Bildnissen des Schutzherren und seiner Gattin Agnes verteilt. Geblieben sind dem Fest bis heute Fleisch, Brot und vor allem Wein.  Die traditionelle Weinverkostung in der Babenbergerhalle – die Leopoldi-Weinkost – gibt Gelegenheit, die Produkte der Klosterneuburger Weinhauer zu testen. Und am traditionellen „Gschirrmarkt“, der besser unter dem Namen „Leopoldimarkt" bekannt ist, werden neben Haushaltswaren auch Speck und Backwaren angeboten.

Hauptattraktion Fasslrutschen

Zu Leopoldi verwandelt sich der Rathausplatz in Klosterneuburg in einen Vergnügungspark. Das Highlight für die meisten Besucherinnen und Besucher ist dennoch das traditionelle Fasslrutschen im Binderstadl des Stifts Kolsterneuburg.
Gerutscht wird gegen einen geringen Obolus über das rund vier Meter hohe und 56.000 Liter fassende „1000-Eimer-Fass“ aus dem Jahr 1704, das ursprünglich den Zehentwein für die geistliche Grundherrschaft zum Inhalt hatte. Dieser Brauch lässt sich bis ins Jahr 1814 zurückverfolgen. Als Vorbilder dienten wahrscheinlich die Weinbauern, die auf der einen Seite auf das Fass hinaufstiegen, oben ihren Most hineingossen und auf der anderen Seite wieder hinabrutschten, weil es so schneller ging.

Leopoldi 2020

Auch die Feierlichkeiten rund um den Leopoldi-Tag 2020 sind von den Covid-19-Maßnahmen betroffen – man muss also dieses Jahr auf das traditionelle Fasslrutschen verzichten.

Besuch der Grabstätte des Heiligen Leopold mit Schäedlreliquie

Die Schädelreliquie des Heiligen Leopold ist die wichtigste und am meisten besuchte Reliquie des Stifts Kolsterneuburg. Aus diesem Grund wird sie auch nur einmal im Jahr – nämlich um den Todestag des Landespatron herum – gezeigt. Der Schädelknochen ist in roten Samt gefasst und trägt eine Kopie des österreichischen Erzherzogshutes. Neben der reichen Stickerei sind verschiedenste Kleinodien frommer Verehrer des Heiligen aufgenäht. Ein besonders bemerkenswertes Schmuckstück ist die auf einem Anhänger dargestellte Affenmutter mit ihrem Jungen, wohl ein Symbol für die Fürsorge des Landespatrones für Österreich.
 

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