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10/24/2020

Der süße Brauch des Allerheiligenstriezels

Der süße Germ-Striezelzopf, der rund um Allerheiligen verspeist und verschenkt wird, blickt auf eine lange Tradition zurück

von Stefanie Blauensteiner

In Österreich hat es Tradition, zu Allerheiligen einen Striezel zu verschenken. Die Tradition geht in das 17. Jahrhundert zurück, als das erste Mal ein Hinweis auf einen so genannten "Heiligenstriezel" auftauchte, der vermutlich in Wien entstanden ist. Im Osten Österreichs nennt man ihn  „Striezel“, im Westen sagt man eher „Zopf“. Es ist jedenfalls ein geflochtenes Gebäck aus einem süßen Germteig, einem so genannten Briocheteig, das mit viel Liebe verfeinert und dann oft verschenkt wird und sogar ein Zeichen der Liebe oder Verbundenheit sein kann.

Der Allerheiligenstriezel als Brauchtumsgebäck 

Früher war der Allerheiligenstriezel ein Armenbrot, das zu Allerheiligen und Allerseelen an Kinder und Arme verteilt wurde, damit diese für die Toten beten. In manchen Regionen legte man den Striezel auch auf die Gräber, um als Verpflegung für die Verstorbenen zu dienen, die in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen auf die Welt zurückkehren. 

Die Tradition der Zopfform

Die Tatsache, dass der Allerheiligenstriezel eine Zopfform hat, geht in das antike Ägypten  zurück. In der ägyptischen  Trauerkultur trugen Frauen ihre Haare zu einem Zopf geflochten, den sie abschnitten, wenn jemand aus der Familie verstarb. Diese symbolische Sitte ging von den Ägyptern auf die Griechen über, dann auf die Römer und zu guter Letzt auch auf die Germanen. Das Flechten und Knüpfen wurde in vielen Völkern als Handlung gesehen, die vor schädlichen und dämonischen Einflüssen schützt. Wenn man das geflochtene Gebäck aß, sollte einem Glück, Kraft und Fruchtbarkeit verliehen werden. Die traditionelle geflochtene Striezelform ist demnach auf ein Trauergebäck zurückzuführen, das aber auch wieder Hoffnung geben soll - eine Auffassung, die beim Verschenken des Heiligenstriezels heute noch mitschwingt. 

Zutaten

  • 500 g Weizenmehl Type 700
  • 175 g Milch
  • 100 g Butter
  • 90 g Zucker
  • 50 g Germ (Hefe)
  • 5 g Salz
  • 5 g Backmalz
  • 2 1/2 Eigelb
  • Vanille und Zitrone
  • eventuell 75 g Rosinen
  • Hagelzucker oder gehobelte Mandeln zum Bestreuen

Alle Zutaten werden in einem Behälter entweder mit einem Kochlöffel oder einer Küchenmaschine gemischt. Wenn Sie Rosinen verwenden wollen, kommen diese erst später dazu.

Der Teig ist dann richtig gemischt, wenn er sich von der Wand des Behälters löst. Danach lassen Sie den Teig bei Raumtemperatur rund 20 Minuten gehen. Danach den Teig einmal zusammenstoßen, in gleich große Stücke teilen und noch einmal kurz rasten lassen. Je nachdem wieviele Stränge der Striezel dann haben soll, so viele Stücke brauchen Sie. Danach beginnt das Flechten.

Erst nach dem Formen ist die Zeit, in der sich die Germ entwickelt. Da sollten sie den Teig bei feuchter Wärme noch einmal rund 40 Minuten stehen lassen.

Vor dem Backen bestreichen Sie den Strietzel mit Eidotter und backen ihn danach bei leicht geöffnetem Backrohr bei 180°C und fallender Hitze für rund 30 Minuten. Wie lange der Striezel wirklich gebacken werden muss, hängt von der Größe und dem Ofen ab. Fertig ist er, wenn die Farbe außen goldgelb ist und die Flechtknotenpunkte nicht mehr weiß. Eine Nadelprobe hilft ebenfalls, um festzustellen, ob der Teig durchgebacken ist.

 

Bräuche rund um den Allerheiligenstriezel

Allerheiligen war in vielen Regionen früher traditionell der "Godntag". Der Tag also, an dem die Patinnen und Paten ihre Patenkinder besucht haben und ihnen natürlich ein Geschenk mitbringen mussten. Das war eben sehr oft der Allerheiligenstriezel, in den manchmal auch eine Silbermünze eingebacken wurde. In manchen Teilen Österreichs ist es heute noch üblich, dass der Taufpate bis zur Firmung zu Allerheiligen ein Patengeschenk, die sogenannte „Godnsach“, mitbringt.
Im Burgenland spielt der Heiligenstriezel als Liebesgabe eine wichtige Rolle. Am Abend vor Allerheiligen wurde er von den  Burschen gekauft, damit sie ihn am Feiertag ihren Liebsten als  „Verehrerstriezel“ schenken können.
In der Steiermark hingegen war es früher Tradition, dass Mädchen jenen Burschen, auf die sie ein Auge geworfen hatten, von ihrem Heiligenstriezel kosten ließen. Wenn er sich ein großes Stück abgeschnitten hatte, wurde dies als Liebeserklärung angesehen. 
Im Weinviertel gibt es die Tradition des Striezelpaschen, bei der um den Striezel gewürfelt wird. 

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