© Gmunder Keramik

07/01/2020

Es scheppert bei Gmundner Keramik

Der neue Chef wusste gar nicht, "wie kaputt das Unternehmen ist". Jetzt streicht er Ramschaktionen, putzt Klinken und will mit Monostores durchstarten.

von Simone Hoepke

Als Jakob von Wolff vor zwei Monaten Geschäftsführer von Gmundner Keramik wurde, hat er noch nicht gewusst, welche Baustelle er damit übernimmt. Erst schrittweise habe er erkannt, "wie kaputt das Unternehmen und wie ramponiert das Image ist", sagt er. Etwa, als ihm die Kindergartentante seines Sprösslings zu seinem neuen Job kondolierte.

Der Geschirrmarkt hat sich in den vergangenen 15 Jahren drastisch geändert. Billiganbieter aus China überschwemmen den Markt. Singles legen immer weniger Wert auf edle Tassen und Teller und auf der Wunschliste von Frischvermählten stehen sie längst nicht mehr ganz oben. Gmundner Keramik hat nach Ramschaktionen im Werksverkauf und Diskont zudem an Glanz verloren. Das hat sich auch auf den Appetit der Fachhändler auf das bunt bemalte Geschirr geschlagen. Die Lager der Manufaktur waren übervoll. Das Management griff zu unpopulären Maßnahmen: Im Mai wurde die Produktion für vier Wochen stillgelegt, um überschüssige Ware los zu werden – die Mitarbeiter wurden interimistisch gekündigt.

Abstauben

So weit will es der neue Chef nicht noch einmal kommen lassen. Der 37-Jährige will die Marke entstauben, die österreichische Handarbeit herausstreichen und das Ramsch-Image abstreifen. In der Salzburger Getreidegasse soll Gmundner noch heuer einen eigenen Shop eröffnen und Reisegruppen aus aller Welt anlocken, so der Plan. Derzeit wird ein Drittel der Produktion – täglich werden in Gmunden rund 5000 Teile gefertigt und händisch bemalt – in einem einzigen Laden verkauft: dem Werksshop in Gmunden. Weil dieser irgendwie zum Schlechtwetterprogramm der Salzkammergut-Urlauber zählt, freut sich von Wolff neuerdings über einen bewölkten Himmel: "An solchen Tagen im August verkaufen wir doppelt so viel wie an einem heißen Sommertag." Den Schleuderaktionen im Werksverkauf schiebt er aber einen Riegel vor. "Das schadet der Marke und setzt eine Spirale nach unten in Gang."

Im Internet hat bisher übrigens ein Investmentbanker aus London das Geschirr der Gmundner verscherbelt. Ihm gehörten bis vor Kurzem 19 einschlägige Domains. "Diese haben wir ihm jetzt abgekauft. Ende des Jahres starten wir mit dem eigenen Webverkauf", kündigt von Wolff an. Den großen Umsatzschub erwartet er sich dadurch nicht, aber eine bessere Markenpositionierung. Dazu soll auch eine bereits erfolgte Straffung des Sortiments beitragen.

Das Verkaufsteam von Gmundner ist währenddessen mit Klinken putzen beschäftigt. Fachhändlern werden neue Designs und Kooperationen schmackhaft gemacht, die Zusammenarbeit soll intensiviert werden.

Verzierung: 40 Maler in Gmunden

Handarbeit Gmundner Keramik hat laut Firmenangaben in Österreich einen Bekanntheitsgrad von 87 Prozent. Produziert wird ausschließlich im oberösterreichischen Gmunden, wo 75 der 120 Mitarbeitern in der Fertigung beschäftigt sind. 40 Keramikmaler verzieren das Geschirr. Im Vorjahr hat Gmundner rund neun Millionen Euro umgesetzt, davon 25 Prozent im Ausland.

Wichtigster Auslandsmarkt ist Deutschland. Das Unternehmen ist seit 1997 mehrheitlich im Besitz der Salzburger Familie Graf von Moy.

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