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06/30/2021

Auf der Sandwelle: Hier kommt man in Wien in Urlaubsstimmung

Sand ist eine wertvolle Ressource. In Wien gibt es zahlreiche Bars oder Badeplätze, um die Füße in den Sand zu stecken.

von Nina Oezelt

Die Badner Bahn fährt nicht nur in die Betonwüste der Shopping City Süd in Vösendorf. Sondern auch an den Strand. Hinter der Pyramide Vösendorf, in der Nachbargemeinde Brunn am Gebirge, gibt es ein neues Strandparadies: Sand, Liegestühle und Ausblick auf den Badeteich bietet der Beachclub „Sandkiste“. Dort befand sich früher das Strandlokal „100 Tage Sommer“ – es wurde nun quasi wieder zum Leben erweckt. „Wir haben 150 Tonnen Sand aus Niederösterreich auf den alten Sand geleert“, sagt „Sandkisten“-Chef Andreas Bachinger.

Auch in der Seestadt rücken die Mitarbeiter von Peter Schilling neuerdings Liegestühle zurecht. Hier, neben der U2-Endstation, wurden mehr als 100 Tonnen Sand aus Melk aufgeschüttet. Der kleine Gastro-Stand „PIER05“ am Asperner See bietet Wraps, Yoga und vor allem „Meeresstimmung“. Um den künstlichen See herum gibt es nämlich ansonsten nur Schotter. „Der Sand bringt den Wohlfühlfaktor“, sagt Chef Schilling.

Die beiden Gastronomen reihen sich mit ihren neuen Projekten in eine ganze Reihe von Lokal-Inhabern ein, bei denen Sand der wohl essenziellste Teil des Konzepts ist (siehe Infobox unten). Um die Jahrtausendwende in Mode gekommen, erfreuen sich die feinen Körner noch immer großer Beliebtheit.

Sand-Pionier

Maximilian Breckner-Bachman war einer der Sand-Vorreiter in Wien – und zwar mit seinem Vienna City Beach Club am Ufer der Neuen Donau. „Ich habe das in Paris und Hamburg das erste Mal gesehen“ sagt er. Die Idee vom Urlaub, auch dort wo es kein Meer gibt, habe ihm so gut gefallen, dass er sie im Lokal seiner Eltern realisierte. Satte 1.000 Tonnen Sand liegen dort. Auch Breckner-Bachmans Sand kommt aus Niederösterreich. Das Material wird mit einem Bagger ausgeschüttet. „Früher haben wir das mit Scheibtruhen gemacht“ sagt er. Billig ist das nicht: Eine Lkw-Ladung kostet 500 Euro.

Sandkiste
Anton-Bruckner-Gasse 18
2345 Brunn am Gebirge
Tageskarte 10 Euro
Mo.–So.: 9–24 Uhr
diesandkiste.at

PIER 05
22., Seestadt
Mo.–Do.:  14–22 Uhr
Do.–So.: 12–22 Uhr

Vienna City Beach Club
22., Kaisermühlendamm 106
Mo.–Do.: 14 bis 23 Uhr
Fr.: 14–24 Uhr, Sa.: 11–24 Uhr, So.: 10–23 Uhr
vcbc.at

Pirat-Buch Neue Donau
22., Kaisermühlendamm an der Neuen Donau zwischen Vienna City Beach Club und Wakeboard-Lift

Wakeboard-Lift
22., Am Wehr 1 
Mo.–Fr.: 12  Uhr bis Sonnenuntergang, Sa.–So.:11 Uhr bis Sonnenuntergang
wakeboardlift.at

Copa-Beach
22., U1-Station-Donauinsel
copabeach.wien

NENI am Wasser
 2., Obere Donaustraße 65
Mo.–Do.: 16–24 Uhr
Fr.–So.: 12–24 Uhr
neni.at

Strandbar Herrmann
3., Herrmannpark
Mo.–So.: 14–24 Uhr 
strandbarherrmann.at

Saunastrandklub  
2., Waldsteingartenstr. 135
Mo.–So.: 14–22 Uhr
pratersauna.tv

Altes AKH – Salettl
9., Alser Str. 4
Mo.–So.: 10–23 Uhr 
salettl.at

Das macht sich bezahlt: „Fakt ist, dass kaum ein Gestaltungselement so schnell für die Assoziation von Strand, Urlaub und Süden sorgt“, sagt Lilli Lička, Leiterin des Instituts für Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur. Außerdem kann Sand nützlich sein: Er kann etwa den Wasserzugang für Menschen erleichtern – wie in der neuen Pirat-Bucht, einem öffentlich zugänglichen Badeplatz auf der Donauinsel, wo vor Kurzem 1.500 Tonnen Sand aufgeschüttet wurden. Wind und Wasser können ihn aber schnell wieder abtragen: „Sand suggeriert etwas, was nicht wirklich hält“, sagt Lička. Doch er hat auch einen großen Vorteil: Mit ihm kann man schnell und unkompliziert Plätze verändern.

 

Knappes Gut

Dabei ist die ausufernde Verwendung von Sand nicht unproblematisch: „Sand ist ein nicht erneuerbarer Rohstoff. Daher ist die Frage, wie er eingesetzt wird, gut zu überlegen“ so Lička. Es gebe Sand eben nicht wie am Meer.

Sand ist nach Wasser die am zweithäufigsten genutzte natürliche Ressource der Welt. Daraus werden Solarzellen, Glas und Kosmetika gemacht. Und ohne Sand auch kein Beton, der bekanntlich zum Bauen verwendet wird. Spielsand oder Beachvolleyballsand, den die Gastro häufig verwendet, hat zwar eine andere Körnung als Bausand – aber der Ursprung ist derselbe. Der in Österreich produzierte Sand kommt aus Tiefgruben und Steinbrüchen. Landesweit gibt es mehr als 1.000 Unternehmen, die Schotter, Kies und Sand herstellen.

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So beliebt Sand als Gestaltungselement ist, so kompliziert ist übrigens seine Pflege: Zigarettenstummel oder Scherben müssen händisch aufgelesen werden, sagt Breckner-Bachman vom City Beach Club: „Den Rest erledigt der Regen“. In der Pirat-Bucht beschäftigt die Stadt eine Firma, die den Sand reinigt. Am Copa Beach – einem öffentlichen Bade- und Gastrogelände am Ufer der Neuen Donau – müssen hingegen die Gastrobetreiber den Sand selbst pflegen.

Bei den Besuchern kommt dieser gut an: „Man kann einfach mal die Füße in den Sand stecken“, sagt ein Stammgast. „Nur die Schuhe sind danach schmutzig.“