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© Gerry Mayer-Rohrmoser, GMR Photography & Film

09/02/2020

Als Anfängerin am Großglockner

Der höchste Berg Österreichs zieht Wander- und Kletterbegeisterte an. Die Tour zum Gipfel ist ein Fitnesstest.

von Alexandra Mayer-Rohrmoser

Als Wanderanfängerin starte ich mit dem Großglockner. Klingt komisch, aber mein Mann hat seinem Vater die Tour zum 60er geschenkt und ich wollte mit. Er hat viel trainiert, ich  leider nicht. Die neuen Hochalpinschuhe mit Steigeisenkante trage ich heute zum dritten Mal. Ich bin nervös, als wir am Startpunkt beim Lucknerhaus auf 1.920 Metern ankommen. Vor der Info des Nationalparks Hohe Tauern stehen zwei fette Ferngucker. Ich versuche, noch ein wenig Zeit zu schinden, und beobachte Gämsen, Steinböcke und kreisende Adler. Eine Gämse schaut mir lässig von einer Bergkante aus entgegen. Ich bekomme Gänsehaut. Hier über der Baumgrenze sehe ich die Natur, wie ich sie nur aus „Universum“ kenne. 

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Wir gehen los. Der erste Abschnitt ist leicht, auch Familien mit Kinderwägen sind unterwegs. Nach und nach wandern wir steiler, es wird felsiger und der Weg zieht sich. Wegen mir legen wir eine kurze Pause ein, die anderen sind auch nicht unfroh. Ich bin dankbar über Wolken am Himmel, der Weg wird immer beschwerlicher. Plötzlich spüre ich die besagte Höhenluft. Meine Beine werden schwer, meine Atmung träger und mein Herzschlag schneller.

Endlich zeigt sich die moderne Stüdlhütte inmitten der Traumkulisse aus Gipfeln, Himmel und Wolken. Der erste Teil ist geschafft. Ich bin erschöpft und spüre drei Blasen an den Füßen.

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Auf der Stüdlhütte legen fittere Wanderer nur eine Mittagspause ein und gehen weiter. Ich habe die Komfortvariante mit zwei Übernachtungen auf Stüdl- und Erzherzog-Johann-Hütte gewählt. Wie weitere siebzehn Wanderer bin ich Matratzenlager Nummer vier zugeteilt. Ich bin froh, dass links und rechts von mir Familie liegt, neben jemandem Fremden zu schlafen, naja. Ich teste zum ersten Mal meinen Hüttenschlafsack, einen hauchdünnen Innenschlafsack, der die Bettwäsche ersetzt. Es klappt gut, auch die Matratzen sind sehr bequem.

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Die Stüdlhütte ist ein Luxusschuppen auf dieser Höhe. Es gibt fließendes Trinkwasser und eine Dusche.  Die Geräuschkulisse im Matratzenlager beruhigt sich nur zwischen 23 und 3 Uhr, dann machen sich die Ersten auf den Weg.

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Trotz wenig Schlaf fühle ich mich fit, die Aufregung vor dem nächsten Abschnitt macht mich wach. Am Vormittag erkunden die anderen die Umgebung und steigen auf kleinere umliegende Berge. Ich lege die Beine auf der Panoramaterrasse hoch und versuche Kraft zu sammeln. Während ich auf der Terrasse entspanne, zieht eine Herde Steinböcke an der Hütte vorbei.

Gegen Mittag treffen wir die Bergführer, die uns ab jetzt begleiten. Der weitere Aufstieg ist ohne Experten nicht zu empfehlen.Der Weg über Erde und Steine ist an sich einfach. Daneben geht es aber derart weit in die Tiefe, dass mir mulmig wird. Ich frage, ob wir uns nicht schon in  Seilschaft begeben wollen, der Bergführer winkt ab. Erst als wir ein riesiges Schneebrett erreichen, hängen wir uns aneinander und sichern uns so gegenseitig. Wir queren das Schneebrett im Zick-Zack-Kurs. Das Stampfen ist kräfteraubend, die Sonne brennt vom Himmel. Der Schnee verstärkt ihre Kraft, ich schwitze und fühle mich matt. Ich möchte eine Pause einlegen und Wasser trinken, doch der Bergführer erklärt, dass wir uns in einer Steinschlag-Zone befinden, die wir schnell passieren müssen. Die Angst schießt mir wie Energie ein und ich gehe wieder schneller.

Nach dem Schneebrett pausieren wir endlich im Schatten einer Felswand, die wir dann gleich besteigen. Ab hier wird es hart. Die ersten Schritte „felsauf“ sind vertikale Spagate. Wir klettern teilweise, die Herausforderung ist extrem. Alles ist steil, die Wege sind nur Spalten zwischen scharfen Felskanten.

Die Wolken verdichten sich und die Bergführer informieren uns, dass ein Aufstieg zum Gipfel nur mehr heute möglich sein wird – ohne Pause mindestens zwei Stunden und noch härter. Mir fehlt die Kraft, ich quäle mich über die letzten Meter.

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Mit einem letzten großen Schritt stehe ich plötzlich vor der Erzherzog-Johann-Hütte. Die Anspannung löst sich und ich weiß, für mich ist hier Schluss. Mir kommen die Tränen, aus Erleichterung aber auch aus Wehmut. Die anderen schaffen die weiteren 344 Höhenmeter über noch steilere Fels-Passagen, Gletschereis und den schmalen Grat bis zum Gipfelkreuz.

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Ich bleibe auf der höchsten Hütte Österreichs zurück und starre auf unzählige Berggipfel. Die traumhafte Kulisse  tröstet mich und ich bin doch froh, überhaupt so weit gekommen zu sein – immerhin auf 3.454 Meter am Großglockner.

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Die klimafreundliche Anreise schafft man am besten mit den ÖBB zum Beispiel von Wien nach Kals am Großglockner in circa acht Stunden mit Zug und Bus.  

Nach guten Tipps zur Vorbereitung auf den Großglockner haben wir Michael Amraser, Obmann der Kalser Bergführer, gefragt. Er empfiehlt, ab ungefähr drei Monaten vor der Gipfeltour jede Woche mindestens einmal wandern zu gehen. Auch die Höhenluft zu testen, ist ratsam. Wer die Berge nicht in der Nähe hat, kann sich mit Konditionstraining und einfachem Stiegen-Steigen vorbereiten.

Aktuelle Situation

Corona hat die Situation am Großglockner nur wenig verändert. Masken sind weder beim Aufstieg noch am Gipfel vorgeschrieben. Die Hütten haben sich der Situation angepasst. Desinfektionsmittel stehen überall bereit, es gibt weniger Schlafplätze teilweise mit Trennwänden.

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